IMMER EINMAL MEHR SUPER-ELTERN

4. Februar 2017

Kindererziehung_Blog_Gedanken_Credit_Kathrin Hanga

Auf meinem Social Media Newsfeed erscheint mal wieder ein Status-Update, der sich mit der Kindererziehung befasst. Eine Mutter im Supermarkt verlor die Geduld und erhob gegenüber ihrem Kind die Stimme. Der Nachwuchs fängt an zu weinen, die entnervte Mutter ignoriert das Geschrei und packt den Einkauf fertig ein. Unerhört. Wo blieb das Jugendamt, wenn man es mal wieder braucht? (Ironie off!) Außerdem werden die Zeitungsartikel „Das passiert wenn man Kindern zu viel Zeug schenkt“ und „Kinder narzisstischer Mütter“ geteilt. Ich starre auf den Bildschirm. Gleich drei Leute, die mit erhobenem Finger Mütter und Väter auf den richtigen Umgang mit Kindern hinweisen. Was mich daran stört: Sie alle haben keine Kinder. Es macht mich grantig, dass jeder glaubt, sich in die Erziehung der Kleinsten einmischen zu müssen. Reicht doch, dass sich die Mütter einen unerbittlichen ich-mache-alles-richtig-Kampf liefern.

Wusstet ihr, dass auf jede Frau in Deutschland mindestens 1,4 Bücher über das Muttersein kommen? In einem steht geschrieben, dass Eltern, die Erziehungskonzepte anwenden, von den Kindern durchschaut werden und die Nähe zu ihnen verlieren. Begründung: Keine Authentizität von Mutter und Vater. Wer wiederum auf eine antiautoritäre Erziehung wert legt, lässt seine Sprösslinge zu Rotzlöffeln heranwachsen. Widersprüchliche Ratschläge, die Unsicherheit hervorrufen. Die täglichen Schlagzeilen in Tageszeitungen, Diskussionsrunden in den sozialen Netzwerken und die so genannte Experten-Interviews tun ihr Übriges. Es wundert nicht, dass Eltern bei der Kindererziehung fast schon ängstlich geworden sind. Noch nie wurde das Thema so in den Fokus gerückt. Die Gesellschaft stürzt sich darauf, weil es quasi unverbraucht ist. Der Druck auf Mütter und Väter steigt. Der Perfektionismus nimmt überhand. Und dann denke ich mir: Entspannt euch alle mal!

Emilian und ich gehen nicht wöchentlich zum pädagogisch wertvollen Eltern-Kind-Kurs. Mein Dreijähriger ist auch nicht im Besitz der handgemachten super-mega-hyper-coolen Mouk-Figuren aus Bio-Baumwolle von Anne-Claire Petit. Auf sein Hochbett wartet er noch immer, wollte es eigentlich das Christkind bringen. Bei seiner letzten Geburtstagsparty gab es für die anderen Kinder keine Goodie Bags. Berufsbedingt schaffe ich es nicht immer rechtzeitig, um 15 Uhr im Kindergarten aufzuschlagen. Das frisch gemachte Superfood steht ebenfalls nicht täglich auf dem Tisch. Wie das Amen im Gebet vergesse ich sein Sportgewand, wenn Turnen auf dem Stundenplan steht. Und wenn ich mal meinen Hangover pflege, danke ich Netflix für die zahlreichen Kinder-Serien. Lasst es mich so sagen: Ich bin keine Super-Mami.

Eine Studie sagt, dass Eltern am Tag mindestens 20 (Erziehungs-)Fehler machen. Was um alles in der Welt heißt eigentlich „Fehler?“ Ich frage mich auch, wo die Auswertung der Nicht-Eltern versteckt gehalten wird? Vielleicht hätte man sich ertappt gefühlt. Super-Menschen existieren nämlich nicht.

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1 Comment

  • Reply sarita 4. Februar 2017 at 17:30

    toller beitrag!
    mir kommt es oft vor als ob sich ein großteil der gesellschaft immer mehr von sich selbst entfernt und seine intuition durch expertenratschläge ersetzt! auch wird es einem in einer welt voller ablenkung und informationsüberfluss nicht unbedingt leicht gemacht die stimme in seinem inneren noch zu hören.. daher wird es auch immer schwieriger authentisch zu sein, denn wer hat denn heutzutage überhaupt noch selbstbewusstsein im sinne von bewusstheit für sich selbst!? daher finde ich ist der erste essentielle schritt um eine “gute” mutter sein zu können, dass man sich selbst bewusst ist, mit all seinen gefühlen, gedanken, ängsten usw..
    und ja.. die 90% der kritik die ich für meine erziehungsmethoden bekam waren von männern, meist ohne (eigene) kinder! mütter wissen um die herausforderungen die erziehung mit sich bringt und kritisieren nur wenn man eindringlich um konstruktive kritik bittet und dann auch immer mit viel verständnis!
    jede mutter die gute erziehungsarbeit geleistet hat kann mit kritik ihrer kinder rechnen wenn diese alt genug sind denke ich..

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