“Kinder sind ein Ego-Projekt”

27. November 2017

mit Handkuss_Lena Catarina Kratz_Gedanken

Jetzt schlägt’s dreizehn! Mich reißt’s vom Stuhl! Das kann doch nicht …: „Kinder sind ein Ego-Projekt.“ Glaub ich nicht. In der ehrwürdigen Neuen Zürcher Zeitung?

Das steht da wirklich: „Kinder sind ein Ego-Projekt.“ Als ganzseitiger Artikel auf Seite 12, als Beitrag zu „Meinung & Debatte“. Das nenne ich Mut! Oder doch einfach Frechheit?

Was also lese ich? Mein Emilian ist ein „Ego-Projekt“. Als ich vor vier Jahren meinen Emilian in die Welt setzte, tat ich das ausschließlich zu meinem Vergnügen, tat ich mir „einen Gefallen“. Interessant! Denn ich hätte ja problemlos verhindern … oder schlimmstenfalls abtreiben können. Ich hatte ja „Wahlfreiheit.“

Stimmt: Ich hatte Wahlfreiheit. Und ich habe mich bewusst für mein Kind entschieden. Ich habe bewusst einem Menschen ein Leben … und der Welt einen Menschen geschenkt. Und richtig ist auch, dass ich mich auf meinen Emilian freute und jeden Tag (mal mehr mal weniger) mit ihm genieße. Aber „Ego-Projekt“? Sicher nicht! Mein „Egoismus“ besteht darin, dass ich mein ansonsten nur auf mich abgestimmtes Leben jetzt mit einem anderen Menschen, meinem Sohn, teile. Dass ich meine Zeit einteile, damit ich für meinen Sohn Zeit habe. Dass ich auf einiges verzichte, weil zunächst einmal mein Sohn drankommt.

Zudem habe ich mir eine, vielleicht die grösste Aufgabe gesetzt: einen Menschen ins Leben zu führen. Ich habe für Emilian Verantwortung übernommen. Ich weiss, dass ich mindestens 20 Jahre meines Lebens nicht “frei” sein werde, sondern Pflichten und Verantwortungen habe.

Doch schon kommt das Gegenargument: „Die einen haben Kinder – die anderen haben andere Hobbys.“ Mein Sohn ist also ein Hobby. Ein Hobby, das ich jederzeit weglegen und allein lassen kann, das mich nicht braucht? Einem Hobby geht man nach, wenn man Lust dazu hat. Wenn man Zeit hat dafür. Ein Kind also ein Hobby? Nein: Ein Kind ist ein 24-Stunden-Job – und sicher kein Hobby.

Und schon kommt das nächste, ganz tolle Argument: „Rein finanziell betrachtet kostet ein Kind die Gemeinschaft im Durchschnitt mehr, als es bringt.“ Ist ein Kind neuerdings nur noch ein Posten in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung? Hat der Mensch keinen Wert mehr – es sei denn, er liefert ab an die Gemeinschaft?

Mir fehlen die Worte. Frau Baer, meinen Sie das im Ernst?

Aber warum nicht? Verzichten wir zukünftig nur ganz auf Kinder! Dann, Gemeinschaft,  kannst Du Dich freuen: Da gibt es keine Käufer mehr für Deine Waren. Ihr kinderlosen Alten findet niemanden mehr, der Euch pflegt. Und wenn Ihr in ein jugendlich lächelndes Gesicht schauen wollt: Nehmt den Spiegel – und erschreckt nicht!

Fakt ist: Es gibt viele Gründe, warum Menschen auf Kinder verzichten. Es ist ihr freier Entscheid. Nie würde ich sie eines „Ego-Projektes“ beschuldigen, auch wenn eine gewisse Portion Egoismus – oder schlichter gesagt: Eigeninteresse – oft mitspielt.

Mein „Ego-Projekt“ – Emilian genannt – jedenfalls heisst: Verantwortung nehmen, Teilen, in der Pflicht stehen. Und eine große Portion Freude haben, unendlich Freude – das auch.

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1 Comment

  • Reply Dorothee 27. November 2017 at 14:31

    Liebe Lena,

    du traust dich ein gesellschaftlich kritisches Thema anzusprechen und scheust nicht deine Meinung kund zu tun. Sehr Mutig! Suepr, dass du wieder öfter von dir hören lässt :-)) Weiter so!

    LiGr, D.

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